Alles unter einem Dach – Das Kaufhaus Merkur

Im Juli 1955 öffnete das Warenhaus Merkur auf dem ehemaligen Gelände des Hotels Germania an der Wittekindstrasse. In hoher Erwartungshaltung stürmten in den ersten Tagen 40.000 Besucher das Haus und eroberten im Nu die weitläufigen, über 5 Etagen verteilten Verkaufsflächen. Erstmals auf Rolltreppen - für die Hasestadt eine kleine Sensation - bewegte sich eine nicht abreißende Menschenschlange durch die einzelnen Stockwerke des Hauses. Gemäß dem Prinzip „ein Optimum an Preiswürdigkeit und Qualität“ des 1901 gegründeten Kaufhauses Merkur, konnten die Kunden hier ihren gesamten Lebensbedarf auf übersichtliche, bequeme und gut organisierte Weise befriedigen.

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Foto: H. Strenger, 1955

Während die Warenhäuser bei der Kundschaft immer mehr Anklang fanden, wuchs unter den ansässigen Fachgeschäften und Kaufhäusern die Sorge, ob solche „Warenhäuser der Ruin des kleinen Mannes“ (Kaufmann Hitzegrad im Osnabrücker Tageblatt vom 8.7.1955) seien. Die starke Wirtschaftskraft der 50er und 60er Jahre sowie steigende Umsätze im Einzelhandel zeigten aber, dass die Konkurrenzsorge vorerst unberechtigt war und gerade der Wettbewerb die Geschäfte positiv belebte. Der weltweite Strukturwandel in der Warenverteilung machte auch vor den Toren des „Weltstädtchens“ Osnabrück keinen Halt.

Eine ernst zu nehmende Konkurrenz entstand schließlich in den 70er Jahren mit den Einkaufsmärkten auf der grünen Wiese, die immer mehr Kaufkraft aus den Innenstädten abzogen und mit ihrem breiten Angebot besonders die Warenhäuser attackierten. Trotz zahlreicher Bemühungen ihr Konzept „Alles unter einem Dach“ zu modernisieren, ging der Warenhausanteil am gesamten Einzelhandelsumsatz in den 80er Jahren immer weiter zurück.

1986 musste die Hertiefiliale in Osnabrück schließen, Merkur wurde in Horten umbenannt und nach Übernahme der Horten AG durch Kaufhof, wurde das „Galeria-Konzept“ entwickelt und die Filiale umgestaltet. Die Zukunft der Waren- und Kaufhäuser bleibt weiter ungewiss, während die „Horten-Kacheln“ immer noch Erinnerungen an vergangene Zeiten wachrufen.

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